22.07.2011

« Zurück

Kurztext zur Ausstellung Deborah Sengl. Selig sind die Unwissenden

Camouflage, Tarnen und Täuschen, Imitation und Maskerade sind die zentralen Themen in Deborah Sengls Kunst. Mit spielerischem Herangehen und großer Neugierde analysiert sie humorvoll und mit einer trefflichen Portion Ironie Repräsentationsmodelle unserer Gesellschaft und Machtverhältnisse zwischen Täter und Opfer und fördert auf diesem Weg immer auch Abgründiges zutage.

Eine ihrer jüngeren Bilder- und Skulpturenserien behandelt die Absurdität, sich im Zeitalter des Webpelzes aus Prestigegründen und Eitelkeit mit Tierfellen zu schmücken. “Killed to be dressed“ ist die Werkreihe betitelt, die im letzten Jahr erstmals in einer renommierten Kopenhagener Galerie für Furore sorgte und nun bei SoArt Millstättersee ausgestellt ist. Die Künstlerin dreht hier die Rollen um und zeigt Tiere in aus Wachs gefertigte menschliche Haut und Körperteile gekleidet. In dieser phantastischen Szenerie schlüpft die vermeintliche Beute unvermittelt in die Rolle des Raubtiers. Deborah Sengl visualisiert die Kluft zwischen trivialen Äußerlichkeiten und dem, was hinter der Fassade verborgen liegt.

In der im Hinblick auf diese Ausstellung begonnenen Serie “Selig sind die Unwissenden“ setzt sich die Künstlerin einmal mehr kritisch mit der katholischen Kirche auseinander. In einem großformatigen Gemälde sehen wir einen korpulenten Kardinal mit der äußeren Erscheinung eines Schafes demütig und trauernd vor dem Sarkophag des 2005 verstorbenen Papstes Johannes Paul II. knien. Die leichte Untersicht lässt den marmornen Prunksarg massiv und kolossal erscheinen. Sinnbildlich steht diese Monumentalität sicherlich für den Machtanspruch der katholischen Kirche generell und das gewaltige, unermesslich große Verbrechen des Missbrauchs, das auch während der 27-jährigen Regentschaft Johannes Paul II. hinter verschlossenen Kirchentüren gehalten wurde.

Das Herzstück der Ausstellung markiert eine unmittelbar vor der Ausstellung fertig gestellte Skulptur. Deborah Sengl greift die Redewendung “Wolf im Schafspelz“ auf und zeigt eine den Boden abschleckende menschliche Figur in Papstkleidung mit dem schaffellbezogenen Kopf eines Wolfs. Papst Johannes Paul II hatte es sich zur Tradition gemacht, nach dem Ausstieg aus dem Flugzeug bei seiner Ankunft in den unterschiedlichen Ländern zum Zweck der Ehrerbietung deren Boden zu küssen. Dem publikums- und medienwirksamen Bodenküssen des Papstes als Herr über Millionen “Schäfchen“ scheint Deborah Sengl nicht über den Weg zu trauen. Die Künstlerin appelliert an unsere Wahrnehmung und Sensibilität im Umgang mit Autoritäten. Mit den Wölfen heulen war Deborah Sengl schon immer suspekt. 

Download »